Experimentierfreudigkeit und Geschwindigkeitsrausch

Die Rum-Regatta steht vor der Tür! Am Himmelfahrtswochenende findet das jährliche Groß-Event statt, bei dem die Timpe Te seit langem mal wieder unter ihresgleichen ihr Potential auf dem Regattafeld unter Beweis stellen wird. 

Um die höchsten Geschwindigkeiten aus dem Boot zu locken, sind wir momentan vorallem am experimentieren und optimieren von Besegelung und Gewichtstrimm. Oft geht das mit viel Spaß, aber auch mancherorts Nervenkitzel einher.

Besegelung:

 

Weitere zwei Segel, das Topsegel und der Jager/ Flieger als drittes Vorsegel, können bei schwachem Wind auf passenden Kursen zusätzlich gehisst werden.

Das Standardrigg der Timpe Te, das noch einigermaßen einfach zu händeln ist, besteht aus Großsegel, Fock und Klüver.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sobald die Windgeschwindigkeit konstan um die 14 Knoten beträgt, das entspricht guten vier Windstärken, lohnt es sich bei der großzügig dimensionierten Standardbesegelung schon zu kürzen. Mit einem ersten Reff im Großsegel verringert sich auf allen Kursen der Ruderdruck und die Fahrt wird deutlich aufrechter. An Geschwindigkeit verliert das Boot kaum. Das Reffen ist dank Bindereff und frei fliegendem Unterlieg leicht zu bewältigen.

Als nächstes ist es eines der Vorsegel, das geborgen wird – vorallem an der Kreuz, dem Kurs, auf dem das Boot am meisten mit Krängung zu kämpfen hat. Hier ist es meist der Klüver, der geborgen wird, damit Fock und Groß noch als Windführung zusammenarbeiten können. Auf raumen Kursen bergen wir erst die Fock, so bietet der Abstand zwischen Groß und Klüver umso mehr Möglichkeit für den Wind noch ins Vorsegel zu fallen.

David nach Bergen des Klüvers bei steifer Brise. Das erste Reff im Groß ist schon im Hafen gesteckt worden.

 

Nachträgliche Takelarbeiten im Hafen sind bei so viel Stehendem und Laufendem Gut unumgänglich. 

Lara sichert das Klau-Fall, über das David in der Klettergurtkonstruktion aus Seilen in der Takelage hängt.

 

Eine Kleinigkeit haben wir uns erlaubt, worüber die Seglergemeinschaft gespaltener Meinung sein wird: bei extremem Leichtwind haben wir erstmals einen Gennaker (der eigentlich als Spinnaker geschnitten und falsch dimensioniert für das Boot ist – egal!) am Klüverbaum angeschlagen und über das Klüverfall gefahren. Nicht ganz oiginalgetreu, dafür aber enorm schnell.

An alle, die das hier lesen und sehen und bei denen sich beim Gedanken eines Gennakers auf einem Traditionssegler die Nackenhaare aufrichten: Nein, keine Sorge, wir werden nicht komplett mit der Tradition brechen, aber erweitern gern unsere Möglichkeiten je nach Rahmen um so besser zu performen – und eines ist natürlich oberstes Gebot: Spaß muss es machen  😉

Raumschots unter groß und Gennaker – kaum Wind, vier Knoten Fahrt

 

Einlaufen bei Sonnenuntergang in Flensburg unter Gennaker

 

Gewichtstrimm

Aufgrund des geringen Freibords und des nicht sehr tiefen Schwerpunkt des Bootes, wird es schnell nass beim Segeln auf der Timpe Te – sieh‘ selbst! 🙂

Das Wasser strömt regelrecht über das Deck, nur das Cockpitsüll verhindert, dass das Boot vollläuft – die Nähe zum Element ist unmittelbar

 

Um dem schnellen Krängen des Bootes entgegenzuwirken sind wir auch hier unkonventionell kreativ geworden: Sobald eines der beiden Vorsegel  bei zu starkem Wind geborgen ist, nutzen wir das Fall um uns mit einem alten Surf-Trapez übers Wasser zu hängen. Im Hafen Gelächter und Gespött, draußen Geschwindigkeitsrausch auf allen Kursen

Das sieht dann so aus:

 Laetitia im Trapez auf Kurs nach Flensburg (Halbwind) im Sonnenuntergang – so fühlt sich Freiheit an!

 

Bleibt natürlich die Frage, welche unserer kreativen Ideen wir überhaupt auf dem Regatta-Feld anwenden dürfen. Auf Kielbooten sind Trapeze eigentlich nicht erlaubt, vielleicht machen die Veranstalter der Rum-Regatte ein Ausnahme für uns ;-), oder es gilt eine andere Regelung für Kielschwerter (?) und wir dürfen unseren wandelnden Ballast die Gischt unter unseren beinen spüren lassen 🙂

Auch der Genacker ist, wie schon erwähnt und offensichtlich, ja auch nicht ganz originalgetreu. Mal sehen, was die Regatta-Leitung sagen wird…

Für konventionelle Regatten sind wir jetzt aber umso besser aufgestellt und können es auf vielen Kursen mit manch einem Joghurtbecher aufnehmen.

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Moin, ich bin begeistert, was ihr so alles mit dem Boot so anstellt.Gab es den Genacker nicht in weiß? Na, das bekommt ihr auch noch hin. Ich drücke euch die Daumen für die Regatta, vielleicht gewinnt ihr ja in eurer Klasse.
    Das wäre doch der Hammer. Herzliche Grüsse von Harald

  2. Ich habe einst das „Geheimnis der Sandbank“ mit Spannung verfolgt und den Fortgang der Restaurierung bis jetzt. Es ist schön zu sehen, dass dieses Boot wieder in seinem Element ist und auch gefordert wird. Viel Spaß wünsche ich weiterhin.

    Mit freundlichen Grüßen

    Reinhard

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