Rumregatta 2019 – ein Rückblick

Das erste Reff schon im Hafen gesteckt, machen sich Tyade-Boy und ich auf den Weg. Der Wind weht in der Hafenspitze noch unregelmäßig aus Süd. Der Ableger unter Fock glückt ohne große Schwierigkeiten. Schnell sind auch Groß und Klüver gehisst. 130 Boote haben sich zur Rumregatta angemeldet. Die meisten sind schon im Hafen unter Segeln, hier und da wird es schon eng. Wir halten uns in Luv, um nicht in die Windabdeckung der Dickschiffe zu geraten. Der Wind, so stellen wir nach fünf Minuten schon im Hafen fest, ist doch stärker als erwartet. Vorallem kommt er in Böen mit unerwarteten Geschwindigkeiten. Auf Vorwindkurs versuchen wir ohne eine Patenthalse zu riskieren sicher im Gewirr der alten Kähne aus dem Hafen zu kommen. Mit dicht geholtem Groß, um im Fall einer Patenthalse mit festgesetztem Backstag keinen Mastbruch zu provozieren, nähern wir uns langsam der FSG.

Alle größeren Boote sind in Lee. Auf höhe der FSG dann, fällt plötzlich eine Böe fast rechtwinklig ins dichtgeholte Segel. Die Timpe Te legt sich auf die Seite, der Ruderdruck wird enorm. Wir schmeißen so schnell wie möglich alle Schoten los, doch es ist zu spät: Das Wasser kommt in großen Mengen über das Cockpitsüll gelaufen. Zusätzlich war da auch noch das Backstag, das das Großsegel am auswehen hinderte. In Luv schiebt sich plötzlich der mit Touristen beladen Schlepper „Flensburg“ an uns vorbei. Wir sind auf direktem Kollisionskurs – entgeisterte Gesichter sehen unserem unkontrolliertem Nahezu-Absauf-Manöver zu. Wir stehen im Wind. Das Backstag ist schnell gelöst und wir gehen wieder auf Kurs. „Tyade, fühlst du dich sicher, oder sollen wir abbrechen“, frage ich meinen Segelkumpanen, einen erfahrenen Segler, aber das erste mal auf der Timpe Te unter Segeln. „Wenn du dich sicher fühlst, lass es uns durchziehen“, entgegnet mir Tyade und wir setzen unseren Kurs fort. Durch den starken Wind und die unregelmäßigen Böen gestaltet sich das Bergen des Klüvers ziemlich kompiziert, doch nach 10 Minuten sitzen wir beide im verhältnismäßig geschützten Cockpit und rasen mit Rumpfgeschwindigkeit auf die Ochseninseln zu. Den Startschuss um Minuten verpasst, räumen wir langsam das Feld von hinten auf.

Vor dem Wind ist es das einfach gereffte Großsegel, das uns den enormen Vortrieb gibt. Ungefähr zeitgleich mit dem Rest der Flotte unter 10 Metern, erreichen wir die Ochseninseln, das leeseitige Ende der Regattabahn. Nun beginnt ein Kampf gegen die kurze, steile Förde-Welle beim Wiederaufkreuzen richtung Flensburg. Schnell merken wir, dass nun der Part begonnen hat, der Boot und Segler am meisten fordern würde. Mit dem recht breiten Bug stampft sich die Timpe Te immer wieder in der Welle fest und der Segelplan passt vom Ruderdruck als auch der noch zu großen Segelfläche vorne und hinten nicht. Es wäre der Moment gewesen, zu dem man das zweite Reff hätte stecken müssen. Doch unerfahren und naiv wie man als junger Mensch auf einem noch nicht allzu vertrauten Boot ist, war die zweite Reffleine nicht eingebunden und das Reffen mit Böen bis zu 28 Knoten somit unmöglich.

Wir kämpfen uns also weiter. Schlag für Schlag. Das Ziel, einen guten Regattaplatz zu machen, haben wir mittlerlweile verworfen. Uns liegt es nur mehr daran, heil in den Hafen zu kommen. Mit einem Konkurrenten an der Kreuz, der die Welle leicht abtantzt, haben auch wir es irgendwann raus das ständige Feststampfen zu verhindern. Mit weniger Höhe als theoretisch möglich und einem zur Hälfte von Lee einfallende Großsegel zieht uns die Fock mit konstanter Geschwindikeit in Richtung Ziellinie. Dann endlich ist es so weit. Die Wellen werden kleiner, der Wind schwächer und wir machen die letzten Schläge über die Ziellinie in den Hafen. Schnell Klarschiff gemacht, stellen wir beide fest, wie fertig wir sind. „Ich geh später noch zur Preisverleihung, du kannst schon nach Hause gehen, wenn du magst.“

Gesagt – getan

Und dann die Überraschung des Tages:

Man könnte die Serie jeden Abend gucken! Die drei Liter Rum in der Kategorie A4 gehen dieses Jahr an Timpe Te, die uns allen bekannte und geliebte „Dulcibella“!“

 

Danke Tyade! So eine Regatta hätte nicht jeder beim ersten Mal auf der Timpe Te so souverän gemeistert!

3 Kommentare

  1. PS.: Wir hatten ganzen Sommer den guten Johannsen-Rum, ein edler Tropfen. Die Buddel wurde Bestandteil der Schaubude, bis irgendjemand in den Schuppen eingebrochen ist und sie mitgenommen hat. An diese Person: Die Buddel war schon mit Billo-Rum nachgefüllt – wir wünschen einen angenehmen Katertag 😀

  2. Ich gratuliere Euch, das habt ihr gut gemacht. Es liest sich sehr dramatisch, auch wenn ich nur die hälfte verstehe von eurem „Seemannsgarn.“ Ganz grosse Klasse.

  3. Ich habe meiner Frau den fulminanten Bericht eben gerade vorgelesen. So bildhaft, da kann man nur mitzittern und als Segler alle Schwierigkeiten nachempfinden. Auch bei unserm „Albatros“, wie bei allen Jollenkreuzern heißt es: Höhe-Laufen mag er nicht, also Kreuzen, eher nicht so hoch am Wind . . . Ja und dann die Überraschung – seid Ihr nun zweiter Einlaufender geworden – die Rumregatta hat doch dieses kreative Reglement – eine Buddel Rum. Ärgerlich die Klauerei. Aber Ihr habt ja mit billigen Strohrum aufgefüllt, oder so ähnlich!!??
    Schönes Wortspiel: Vatertag-Katertag . . .

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