Wie es zu dem Projekt kam…

  • Sommer 2015 Besuch bei Reiner Boje, Erstbegegnung mit dem Schiff nach Zeiten der Suche und Recherche und unendlichen Malen „Das Rätsel der Sandbank“, ein aufregender Moment, volle Begeisterung für die Timpe Te. Mit 13 Jahren hab ich das erste Mal die Timpe Te gezeichnet. Über den Yacht-Artikel, den es im Download bei yacht.de gibt, war ich auf den Namen des Eigners gestoßen, allerdings in falscher Schreibweise. Auf der Homepage des kleinen Neuendeicher Hafens entdecke ich seinen richtig geschriebenen Namen. Über das Örtliche bekomme ich seine Telefonnummer. Er ist bereit, meine Familie und mich für einen Besuch zu empfangen. In der Begegnung frage ich ihn, ob es Pläne des Schiffes gebe, oder ob ich es vermessen könnte, damit seine schönen Linien der Nachwelt erhalten blieben, ich würde es gerne später nachbauen. Er sagt mir: „Du kannst es haben, wenn du es wirklich willst.“ Anschließend kraxeln wir auf dem Schiff herum. Im Dornröschenschlaf.
  • Die Zeit geht ins Land, die Aussicht wird konkreter, dass meine Familie und ich 2017 nach Flensburg ziehen. Hin und wieder telefoniere oder maile ich mit Reiner Boje und seiner Frau Monika. Er möchte wissen, wie es weitergeht. Die Situation ist offen. Geduld ist auf beiden Seiten gefragt.

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    Meine erste Zeichnung der Timpe Te

  • Im August 2016 ein Anruf von Reiner Boje: Er sei mit einem Bootsbauer am Schiff gewesen. Es habe sich herausgestellt, dass doch deutlich mehr Arbeiten nötig wären, als erwartet, viel mehr. Er ist beunruhigt. Er möchte nicht, dass ich mich übernehme, er möchte aber auch nicht, dass die Timpe Te eine Chance verpasst. Geld wird so oder so nötig sein, aber Leute mit Geld sind ihm weniger sympathisch als Leute mit Leidenschaft. Immer wieder sagt er: „Ich bin bei David im Wort.“ Geld und viel Zeit wird also nötig sein. Ich habe kein Geld. Was könnte man tun?
  • Nach dem Telefonat: Ich verabrede mit Reiner Boje, dass ich versuche für das Jahr bis Sommer 2017 ein Restaurierungsprojekt auf die Beine zu stellen, bei dem Jugendliche an der Timpe Te arbeiten, Jugendliche, die das Boot dann auch segeln. Ich entdecke das Crowdfunding als Möglichkeit und spreche mit meinem Vater über Jugendförderung und Jugendmittel. Ich nehme mir vor, bis Sommer 2017 einen organisatorischen und finanziellen Rahmen zu schaffen. Das ist das Ziel. Alles, was ich vor dem Umzug nach Flensburg von Südtirol vom Schreibtisch oder Telefon vorbereiten kann, erledige ich auch.
  • September 2016: Es steht mittlerweile fest, dass ich mit meiner Familie nach Flensburg ziehe. Perfekte Ausgangsbedingungen!

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    Die Timpe Te unter vollen Segeln

  • Ich schreibe den Verein Klassische Yachten Flensburg, den Klassische Yachten Sammler Kai Wohlenberg, Robbe und Berking, die Museumswerft Flensburg und den Freundeskreis Klassischer Yachten in Kiel an und stelle das Schiff und meine Projektidee vor. Oliver Berkin schreibt zurück und bietet mir den Rat seiner Bootsbauer an. Und Anna vom Verein Klassische Yachten Flensburg mailt mit mir. Wir werden uns in der ersten Novemberwoche in Flensburg treffen. Meine Familie und ich sind ohnehin dort, um Schulen anzugucken. Jippie!
  • August-September 2016: Ich baue zwischenzeitlich über WordPress eine Seite für die Timpe Te. Ohne Internetpräsenz kein Fundraising. Es dauert eine Weile, bis ich mich eingefuchst habe, aber dann geht es gut. Zwei Monate bastle ich daran. Melde die Domain timpe-te.de an und lade die Seite hoch. Allerdings bleibt sie vorerst verborgen. Möchte erst das Ok von Reiner Boje und Monika Dornis. Stehen sie noch hinter ihrer Entscheidung? Wieviel ist am Schiff wirklich zu tun?
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„Trocken gefallen“ – Aquarellgemälde von Peter Turz

  • Bei der Internetrecherche zur Gestaltung der Seite stoße ich auf einen Mann, der Szenen der Verfilmung „Das Rätsel der Sandbank“ malerisch umgestetzt hat. Es ist Peter Turz aus Ostfriesland. Ich rufe ihn an, um zu fragen, ob er mir seine Bilder für die Homepage zur Verfügung stellt. Er ist sofort begeistert und bereit. Er hat selbst einen kleinen Kutter für das Watt mit dem schönen Namen Gutemine. Plötzlich erkenne ich, wer sich auf Youtube hinter den zusammengeschnittenen schönen Segelszenen aus dem Film verbirgt: Peter Turz, mit dem Usernamen Guteminer. Seine Bilder finden ihren Platz auf der Homepage.
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© KlausAndrews.com

  • Bei der Bildrecherche finde ich auch den Namen des Fotografen heraus, der die Timpe Te damals für den Yachtartikel fotografiert hat. Klaus Andrews hat die Bilder immernoch auf seiner persönlichen Homepage. Ich schreibe ihn an und frage nach den Copyrights. Auch er unterstützt mich und schickt mir die tollen Bilder. Zwei Tage später erhalte ich eine Mail von Dieter Loibner aus der Yacht Classic Redaktion, eine Mail mit ziemlich direkten Fragen zur Timpe Te, zu meiner Motivation und zu meinem Hintergrund. Will er berichten? Ich zögere mit der Antwort, will erst alles mit dem Eigner besprechen, außerdem müssen wir Jugendlichen am besten selbst mit Artikeln Geld einnehmen. Im Telefonat mit Herrn Loibner wiederum, zwei Tage später, kommt heraus, dass die Redaktion selbst aktiv geworden ist und Reiner Boje angerufen hat. Na toll, wie der das wohl fand! Der Journalist sagt, kein Problem, die Notiz für die Neuigkeitenseite sei schon fertig. Man habe ja seine Quellen. Wow! So schnell geht’s. Das war nicht abgesprochen. Andererseits wird ’s natürlich eine Super-Promo für das Fundraising. Die Yacht sagt zu, weiter zu berichten.
  • In Flensburg treffe ich am 1. November Uwe Kutzner, den Leiter der Museumswerft. Wir sitzen in seinem Werkstattbüro auf dem Sofa. Ich will ihm Bilder vom Schiff zeigen. Er schaut nur einmal darauf und stellt mir dann einen Haufen konkreter Fragen: Was das Ziel des Projektes sei. Was ich wolle. Was ich meine, was das koste. Wie lange, ich glaubte, das alles dauere. Er sagt, was ich vorbereitet habe, sei bisher nur Idealismus, eine tolle Idee. Ich müsste jetzt genauer Kosten und Aufwand ermitteln und mir wirklich überlegen, wie ich das schaffen könnte. Die Begegnung mit Uwe Kutzner war ernüchternd. Das war nicht nur schlecht, aber auch hart. Ist die Aktion vielleicht doch eine Nummer zu groß?
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Die Hafenmeile der Klassischen Yachten Flensburg

  • Am zweiten November treffe ich Anna und Hannes vom Verein Klassischer Yachten. Sie wiederum sind sehr an den Bildern der Timpe Te und ihrer Geschichte interessiert. Wir gehen die verschiedenen Themen durch. Anna hatte mir schon in einer Mail geschrieben: „Ja, wir haben Jugendförderung in der Vereins-Satzung, aber keine Jugend.“ Der Verein hat Lust, das Projekt zu unterstützen, weiß aber noch nicht genau wie. Der Liegeplatz im historischen Hafen sollte kein Problem sein. Allerdings stecken wir in Fragen nach der organisatorischen Anbindung eines Jugendprojektes fest: Wie ist es mit der Arbeitssicherheit? Wer führt die Aufsicht? Kann man die Bootsbauer bezahlen? Sollen die Spendengelder über den Verein laufen? Wann und vor allem wo sollte gearbeitet werden? Das Problem: Landliegeplätze in Flensburg sind rar und teuer. Doch vielleicht reicht auch ein kleiner privater Garten. Annas Tip: „Gib das Boot selbst nicht zu weit aus Deinen Händen, damit du bestimmen kannst, welchen Weg es nimmt.“ Wir durchdenken verschiedene Möglichkeiten der Anbindung. Ich trete dem Verein Klassischer Yachten Flensburg bei. Der Ponton des Vereins ist in Zukunft ganz sicher der beste Liegeplatz für das Schiff. Nach dem ernüchternden Dienstag bin ich am Mittwoch wieder voll auf.
  • Kurz bevor wir abreisen, treffen wir nochmal Hannes am Kai. Hannes ist Schiffsführer und Unterhalter des Fischereikutters Greta von der Unterelbe. Es gehört dem Museumshafen Flensburg und wird durch das „Greta-Projekt“  betrieben. Hannes hat aktive Aufbauarbeit unter Studenten geleistet und weiß, wie schwer es ist, junge Leute zu motivieren. Auch er ist an der Timpe Te und an der möglichen Zusammenarbeit interessiert. Gemeinsam bauen und segeln macht sicher Spaß.
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Freude auf der Timpe Te

  • 5. November: Morgens fahren mein Vater uns ich zu Reiner Boje und Monika Dornis, und natürlich zur Timpe Te. Wir sind vor neun da. Nieselregen. Sie erwarten und schon mit Frühstück. Leichte Aufregung erschwert mir das Essen des Frühstückseis, doch nach 10 Minuten ist die Stimmung gelöst und wir sind natürlich gleich bei der Sache. Ich berichte von den Begegnungen in Flensburg und über den Stand der Dinge. Wir reden auch nochmal über das Vorpreschen der Presse. Die beiden unterstreichen, dass es ihrerseits eine sehr bewusste Entscheidung ist, mir für das Projekt das Boot zu überlassen. Einmal sagt Reiner so ungefähr: „Junge Leute finde ich besser auf dem Boot als alte Herren.“ Nach dem Frühstück begeben wir uns noch einmal auf Bootserkundung. Die Situation stellt sich von der Substanz her viel undramatischer dar als nach dem letzten Telefonat vermutet. Es ist einfach nur vieles in Stand zu setzen und in Gang zu bringen. Anspruchsvoll ist vor allem ein Stück Totholz am Kielschwein. Wieder sind wir beeindruckt von den Schönheit und den vielen genialen Details des Schiffes.
  • Wir kehren nach der Besichtigung noch einmal unter das Dach von Reiner und Monika ein, da passiert etwas sehr merkwürdiges: Der ehemalig dreifache Eigner der Timpe Te und Produktionschef des Films „Das Rätsel der Sandbank“ klopft an die Tür. Boje hat ihn bestimmt sechs Jahre nicht gesehen und ist verwundert wie ich. Der ehemalige Eigner wolle fragen, was aus der Timpe Te werde, er habe eine Idee für seinen Hafen auf Rügen. Doch Boje lächelt und sagt, dass der neue Eigner da am Tisch säße. Er meint mich. Verrückt. Wieso kommt der jetzt hier her? Immerhin erfahre ich, dass die Timpe Te tatsächlich einmal rund England gegangen ist.
  • Heute, am 9.12.16, kommt das Projekt nun mit der die Yacht Classic 1/2017 an die Öffentlichkeit. Auch der Zeitpunkt, die Internetseite allen zu öffnen, ist gekommen. Die Geschichte läuft so richtig an. Wie wird die Öffentlichkeit reagieren? Das ist nun die Frage, die mich und mein Team interessiert! Auf privatem Wege haben mich jedenfalls schon junge interessierte Bootsbauer kontaktiert, um im Sommer mit am Start zu sein. Auch schon einige Wenige, die die Nachricht in der Yacht Classic gelesen haben, haben mir bereits geschrieben. Mal sehen, ob ich noch einen Blog auf der Seite einrichte, könnte doch recht lustig sein …
  • Crowdfunding Ahoi! Nun ist es so weit: das 90 Tage lange Crowdfunding zur Finanzierung des Projektes „Timpe Te zur See – Restaurierung on jungen Händen“ beginnt heute am 13.03.17. Interessante Goodies warten auf der Fundraising-Plattform „Startnext“ auf die Unterstützer. Auch die Publicity lässt nicht auf sich warten. Online gehen „Flugblätter“ rum, wie zum Beispiel im Freundeskreis klassischer Yachten und auch von Seiten der Zeitschriften zeigt sich Interesse am Projekt. Das Segeln-Magazin bringt in der April-Ausgabe etwas raus und auch der Palstek wird wahrscheinlich im Mai schon über das Vorhaben berichten. Jetzt heißt es natürlich noch weiter für das Projekt werben, damit das Fundingziel erreicht wird! Also, auch du, der du gerade dies hier liest:  WhatsApp, Twitter, Facebook, zu Fuß oder sonst wie – erzähle deinen Freunden von dem Projekt!  🙂

2 Kommentare

  1. Hallo und einen Gruß von der Weser aus Berne!
    Ein tolles Projekt und einen klasse Blog hast du da auf die Beine gestellt.
    Ich drück dir die Daumen, dass alles klappt – aber davon bin ich eigentlich jetzt schon überzeugt👍😊.
    Bitte halte uns auf dem Laufenden…
    Viel Erfolg und viele Grüße
    Marko

    PS: Ich schaue gerade mal wieder „Das Rätsel der Sandbank“ auf DVD und hab (auch mal wieder) die Dulcibella / Timpe Te gegoogelt…und dann dies hier…Wie genial👍

  2. Crowdfunding Plattformen sind für solche Projekte eine ganz tolle Chance, denn auch das Interesse der finanziellen Unterstützer wächst immer weiter an. In der Vergangenheit hat sich dadurch schon einiges realisieren lassen.

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